September 2nd, 2010
Sie nahm ziemlich viel vom intensiven Charme ihrer Augen zurück, ihr (…) Rosenmund verzog sich säuerlich (…) als bewußt angewandte psychologische Dusche.
… hochgezüchtete zölibatär-platonische Erotik.
… eine Kniebeuge hinpfuschend.
[Heinrich Böll: Gruppenbild mit Dame]
Posted in Textstreusel | No Comments »
September 2nd, 2010
Tante Adelheid, wenn sich nichts geradezu Verstimmliches ereignete, war, von alten Zeiten her, eine gute Wirtin und besaß neben anderm auch jene Direktoralaugen, die bei Tische soviel bedeuten; aber ‘eine’ Gabe besaß sie nicht, die, das Gespräch, wie’s in einem engsten Zirkel doch sein sollte, zusammenzufassen. So zerfiel denn die kleine Tafelrunde von Anfang an in drei Gruppen, von denen eine, wiewohl nicht absolut schweigsam, doch vorwiegend als Tafelornament wirkte. Dies war die Gruppe Woldemar- Triglaff. Und das konnte nicht wohl anders sein. Die Triglaff, wie sich das bei Kakadugesichtern so häufig findet, verband in sich den Ausdruck höchster Tiefsinnigkeit mit ganz ungewöhnlicher Umnachtung, und ein letzter Rest von Helle, der ihr vielleicht geblieben sein mochte, war ihr durch eine stupende Triglaffvorstellung schließlich doch auch noch abhanden gekommen. (Theodor Fontane: Der Stechlin, S. 84)
Posted in AllgFAB | No Comments »
September 2nd, 2010
“Es gibt Umgangsformen und Artigkeitsgesetze. Gewiß. Aber das alles reicht nicht weit. Was der Mensch am ehesten durchbricht, das sind gerade solche Formen. Und wer sie nicht durchbricht, der kann einem auch leid tun. Wie geht es denn in der Ehe? Haben Sie schon einen Mann gesehen, der die Formen wahrt, wenn seine Frau ihn ärgert? Ich nicht. Leidenschaft ist immer siegreich.” (Theodor Fontane: Der Stechlin, S. 59)
Posted in AllgZitate | No Comments »
September 2nd, 2010
“Nur nicht zu lang im Bett. Die meisten Langschläfer haben einen Knacks. Es können aber sonst ganz gute Leute sein. Ich wette, dein Freund Rex schläft bis neun.” “Nein, Papa, der gerade nicht. Wer wie Rex ist, kann sich das nicht gönnen. Er hat nämlich einen Verein gegründet für Frühgottesdienste, abwechselnd in Schönhausen und Finkenkrug. Aber es ist noch nicht perfekt geworden.” “Freut mich, daß es noch hapert. Ich mag so was nicht. Der alte Wilhelm hat zwar seinem Volke die Religion wiedergeben wollen, was ein schönes Wort von ihm war - alles, was er tat und sagte, war gut -, aber Religion und Landpartie, dagegen bin ich doch. Ich bin überhaupt gegen alle falschen Mischungen. Auch bei den Menschen. (Theodor Fontane: Der Stechlin, S. 44)
Posted in AllgFAB | No Comments »
September 2nd, 2010
“Ein Mann wie Sie, der es trotz seines Liberalismus fertigbringt, immer seinen Adel bis wenigstens dritten Kreuzzug zurückzuführen…” (Theodor Fontane: Der Stechlin, S. 82)
Posted in Textstreusel | No Comments »
September 2nd, 2010
Woldemar (…) bat (…), daß der Herr, der den Vorzug habe, sie zu führen, nicht ein Herr von Baczko, sondern ein Herr von Czako sei. Die kleine Rundliche geriet in eine momentane Verlegenheit, Czako selbst aber kam ihr mit großer Courtoisie zu Hilfe. “Lieber Stechlin”, begann er, “ich beschwöre Sie um sechsundsechzig Schock sächsische Schuzwecken, kommen Sie doch nicht mit solchen Kleinigkeiten, die man jetzt, glaub ich, Veleitäten nennt. Wenigstes habe ich das Wort immer so übersetzt. Czako, Baczko, Baczko, Czako - wie kann man davon soviel Aufhebens machen. Name, wie Sie wissen, ist Schall und Rauch, siehe Goethe, und Sie werden sich doch nicht in Widerspruch mit ‘dem’ bringen wollen. Dazu reicht es denn doch am Ende nicht aus.” (Theodor Fontane: Der Stechlin, S. 81)
Posted in AllgFAB | No Comments »
September 2nd, 2010
Das Fräulein von Schmargendorf war klein und rundlich, einige vierzig Jahre alt, von kurzem Hals und wenig Taille. Von den sieben Schönheiten, über die jede Evastochter Verfügung haben sollte, hatte sie, soweit sich ihr “Kredit” feststellen ließ, nur die Büste. (Theodor Fontane: Der Stechlin, S. 80)
Posted in Textstreusel | No Comments »
September 2nd, 2010
Man sah ihr an, daß sie nur immer vorübergehend in einer höheren Gesellschaftssphäre gelebt hatte, sich trotzdem aber zeitlebens der angeborenen Zugehörigkeit zu eben diesen Kreisen bewußt gewesen war. Daß man sie zur Domina gemacht hatte, war nur zu billigen. Sie wußte zu rechnen und anzuordnen und war nicht bloß von sehr gutem natürlichen Verstand, sondern unter Umständen auch voller Interesse für ganz bestimmte Personen und Dinge. Was aber, trotz solcher Vorzüge, den Verkehr mit ihr so schwer machte, das war die tiefe Prosa ihrer Natur, das märkisch Enge, das Mißtrauen gegen alles, was die Welt der Schönheit oder gar der Freiheit auch nur streifte. (Theodor Fontane: Der Stechlin, S. 76)
Posted in AllgFAB | No Comments »
September 2nd, 2010
“Ihre Tante hat so was; man merkt doch, daß sie das Regiment führt. Und wohl seit lange. Wenn ich recht gehört, ist sie älter als Ihr Papa.” “Oh, viel, beinahe um zehn Jahre. Sie wird sechsundsiebzig.” “Ein respektables Alter. Und ich muß sagen, wohl konserviert.” “Ja, man kann es beinahe sagen. Das ist eben der Vorzug solcher, die man ’schlank’ nennt. Beiläufig ein Euphemismus. Wo nichts ist, hat der Kaiser sein Recht verloren und die Zeit natürlich auch; sie kann nichts nehmen, wo sie nicht mehr findet. (Theodor Fontane: Der Stechlin, S. 75)
Posted in AllgFAB | No Comments »
September 1st, 2010
“Sie sah brillant aus. Eigentlich ist sie nicht hübsch, Blondine mit großen Vergißmeinnichtaugen und etwas lymphatisch; auch wohl nicht ganz gesund. Aber sonderbar, solche Damen, wenn was in Sicht steht, sehen immer besser aus als in natürlicher Verfassung, ein Zustand, der allerdings bei der Katzler kaum vorkommt. Sie ist noch nicht volle sechs Jahre verheiratet und erwartet mit nächstem das siebente.” “Das ist aber doch unerhört. Ich glaube, so was ist Scheidungsgrund.” (Theodor Fontane: Der Stechlin, S. 68)
Posted in AllgFAB | No Comments »